[mwf media_ the multimedia company
medien für medizin, wissenschaft, forschung, technik

Sinnvolles Aufnahmezubehör


Im Laufe der Jahre als Kameramann habe ich diverses Zubehör getestet und gekauft; das meiste brauchte ich dann aber plötzlich doch gar nicht mehr so dringend und habe es oft zu Hause gelassen.
Aber einige wenige Dinge vergesse ich (fast) nie: jammer100.jpg

Windjammer. Ein absolutes Muss schon bei leichtem Wind. Sogar bei Windstärken bis 8 (danach lässt sich keine Kamera mehr ruhig halten) waren keinerlei Windgeräusche zu hören. Der Sturm heult wie er heulen sollund steuert nicht mehr die Automatik zu. Ein Selbstbau aus Omas altem Pelzkragen empfiehlt sich allerdings nicht, da er nicht die akustischen Eigenschaften eines echten Windjammers hat - die Windenergie soll durch die langen Fasern gebrochen, aber die Akustik nicht verändert werden. Rycote bietet für fast jeden Camcorder das passende Hütchen.

Stativ. Ja, eine leidige Sache. Aber bei wirklich wichtigen Aufnahmen kommt man nicht drumherum. Ein sauberes horizontales bzw. vertikales Schwenken ist ohne Stativ nicht zu machen.
Da ich ein schweres Stativ (Sachtler) nicht immer mitschleppen wollte, habe ich mir für DV eine Manfrotto-Kombination angeschafft: Stativ 290B mit Kopf 128RC.
BAG100.jpgSteadybag. Wenig bekanntes Hilfsmittel. Das ist eigentlich nur ein relativ schwerer Sack, den man auf fast alles legen oder an fast alles lehnen kann und auf den man dann die Kamera legt/presst. Mein Steadybag (Visual Departures Ltd., New York) ist mit speziellen Kügelchen gefüllt. Man kann ihn knicken, hauen, knuffen: Er tut immer das, was er soll. Jede Kamera von Foto bis Video, Teleskope und was auch immer liegen absolut ruhig auf ihm. Der Nachteil ist, dass man nicht immer in der richtigen Höhe eine entsprechende Auflagemöglichkeit hat. Auch lassen sich keine Schwenks durchführen. Um diese Möglichkeit mal für sich zu testen: Weicheres Säckchen mit Tonkügelchen (Seramis o.ä.) oder Bohnen/Linsen/Erbsen , ggf. auch Sand füllen und ausprobieren. Man findet die Säckchen im Internet auch unter "beansack".

a_Manfotto120.gifDie ca. 2kg sind noch ganz gut zu tragen. Der Ärger beim exakten horizontalen Ausrichten (das gilt für alle Stative ohne Kugelkopf) lässt sich schnell korrigieren, wenn man einen Adapter 438 dazu kauft. Die schwerere Alternative ist ein Manfrotto-Set mit einem 503-Kopf. Fehlen tut dann nur noch ein Start/Stop-Fernbedienung mit Zoommöglichkeit. Das gibt es mittlerweile zu günstigen Preisen von verschiedenen Herstellern, z.B. auch von Manfrotto selbst, womit man gleichzeitiges Schwenken und Zoomen schon fast professionell hinbekommt, günstige Alternative bei LPC Cam.

Eine preisgünstige Alternative ist ein Velbon DV 7000.

Mvjakhtd.gifZusatzmikrofon. Ich benutze u.a. ein Richtmikrofon (z.B. Sennheiser und Beyerdynamics) relativ häufig. Gerade bei Aufnahmen draußen, wo ich gezielt ein bestimmtes Geräusch anpeilen muss, geht es nicht anders. Sind Gesprächs- und Interviewsituationen zu filmen, empfehlen sich Ansteckmikrofone, am besten mit einem Funkmicro-Set (Sennheiser). Interviews in lauter Umgebung oder starke Schalldrücke nimmt man am besten mit dynamischen Mikrofonen auf.

Weitwinkelvorsatz. Viele Adapter -ganz besonders die ab x0,6- vignettieren, deshalb sind sie häufig kaum zu gebrauchen. Ich habe mich bei der VX 1000 für den WW-Adapter SQL Pro Wwsw.jpgentschieden. Er verdoppelt den Weitwinkelbereich, vignettiert (fast) nicht. Wie bei allen anderen billigen Weitwinkeladaptern gilt auch hier: Er läßt sich nicht über den vollen Bereich ohne Verluste zoomen. In Tele-Stellung ist die Abbildung unschärfer, weshalb man eigentlich alle WW-Vorsätze auch nur im WW-Bereich benutzen sollte. Mit seinem Verlängerungsfaktor von x 0,5 erreiche ich eine mit Kleinbild vergleichbare Brennweite von 24mm. Das dürfte für die meisten Innenaufnahmen genügen. Zusammen mit dem Steadicam-Stativ sind schöne wackelfreie Gehaufnahmen möglich. Achtung! Bei Gegenlicht sollte man auf eine peinlich saubere Vorderfläche achten: Die Automatik stellt sonst auf den Dreck scharf! Professionelle, voll zoombare WW- Adapter gibt es von Century Optics ab 600 Euro oder von TecPro (0,65 B) für 330 Euro, die ich für VX 2000/2100 benutze.

light.jpgAufsteckleuchte. Manchmal ist es einfach zu dunkel oder Gesichter sind im Gegenlicht kaum zu erkennen. Dann leistet ein Aufstecklicht mit möglichst auswechselbaren Halogenbirnchen beste Dienste. Ich benutze das Aufstecklicht Kobold CL 12 mit wahlweise auswechselbaren 20/30/50 oder 75W-Brennern, je nach Notwendigkeit. Ein ein- und ausklappbarer Tageslichtfilter rundet die Sache ab. Und wenn man will oder muss, kann man die Leuchtfläche auch noch fokussieren oder auf Weitwinkel stellen und das Lämpchen separat an einen Handgriff aufstecken. Dazu benötigt man dann noch eine 12V-Spannungsversorgung, die man sich aus einem Bleigelakku und Gürteltasche z.B. leicht selbst basteln kann.

Mittlerweile setzen sich immer mehr LED-Leuchten durch.

Leuchtenset. Wer häufig ausleuchten muss (für filmische Situationen ein Muss), kann über die Anschaffung eines Leuchtensets nachdenken. Nach einigen Tests habe ich mich für das Romy 100 Light Set von Panther entschieden. Man kann das Set sowohl an 12V-Akkus (4pol-XLR), als auch an den mitgelieferten 220V-Trafos betreiben. 3 Lampenstative, Tages-/Kunstlichtfilter, Diffusor, Klappen und sogar kleine Holzklammern für die Befestigung der Filter liegen bei! Das alles in einem handlichen Koffer für ca. 1.000 Euro. Für großflächiges Ausleuchten sind die 3x 100W allerdings unterdimensioniert.

Filter.jpgFilter. Bei großer Helligkeit benutze ich einen drehbaren Grau-Verlaufsfilter von HAMA. Das Bild wirkt insgesamt harmonischer, das Blau satter. Am Meer und im Hochgebirge benutze ich häufig einen C14-Filter UV 390 von HAMA. Das Bild scheint mir damit schärfer zu sein (was auch die Theorie sagt). Dunst ist gemildert. Für satte Aufnahmen am und im Wasser benutze ich dann ab und zu noch ein Pol-Filter. Überhaupt ist an spiegelnden Flächen ein Pol-Filter sehr zu empfehlen. Und das Himmelsblau kommt ohne ihn nicht so kolossal zur Geltung.

Kompendium (Mattebox). Wer viel Zeit hat und Wert auf hohen Kontrast und Bildbeeinflussung legt, kann sich die Anschaffung eines Kompendiums überlegen. Das ist eine professionelle Sonnenblende, in die man verschiedene Filter einstecken kann und die man dann nicht mehr separat kaufen muss. Vor allem der gezielte Einsatz von verschiedenen Verlaufsfiltern gelingt nur mit einem Kompendium wirklich perfekt. Bei Landschaftsaufnahmen (erst recht bei HDV) setze ich mein Vocas-Kompendium häufig ein.

DVSteady.jpgSteadicam. Ich kaufte mir eine gebrauchte JR, justierte sie mir einmal ein und bis auf immer notwendige Kleinjustagen war sie stets sofort einsatzbereit. Die Bewegungen sind geschmeidig, die Kamera tut das, was ich will. Wichtig ist allerdings: Üben, üben, üben und die notwendige Kraft für längere Ausflüge antrainieren. Bei schon leichtem Wind sind fast alle Stabilisiersysteme allerdings untauglich. Mittlerweile ist das Patent abgelaufen und es gibt diverse Alternativen zur JR, auch von Steadicam selbst (Merlin). Die alte JR hat ausgedient und ließ sich schon mit VX 2000 nicht mehr sauber führen und stabilisieren. Es gibt eine Anzahl neuer Stabilisiersysteme am Markt, auch mit Körperunterstützungssystemen. Man sollte sich bei den doch recht hohen Preisen allerdings überlegen, wie häufig man solch ein Stilelement einsetzen wird.

Zusatzakkus, Ladegerät. Um Kosten zu sparen werden viele Camcorder heutzutage mit winzigen "Behelfsakkus" und ohne Ladegerät ausgeliefert. Wer lange Kameralaufzeiten braucht, sollte sich 2 Akkus mit der maximal einsetzbaren Kapazität kaufen und diese abwechselnd nutzen. Ein externes Ladegerät dafür wäre von Vorteil, damit man im Ernstfall den gerade leeren Akkus außerhalb der Kamera laden kann.

(© 1999 - 2010 Pit Aretz)